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Für das Menschenrecht auf Liebe  

(14.11.2009) Kundgebung für die Gleichberechtigung aller Paare - Manchmal muss frau / man Berichte in umgekehrter Reihenfolge machen, weil die Resonanz auf eine schöne Aktion es gebietet. So brachte der ORF in der ersten Zeit im Bild gestern nichts über die Kundgebung "Erstklassige Rechte" für eine Gleichstellung aller Partnerschaften, wohl aber Auszüge aus einer Pressekonferenz von Kardinal Schönborn, der den Gesetzesentwurf ablehnt. In der zweiten Zeit im Bild war er dann sogar Studiogast und man zeigte zumindest ein paar Aufnahmen von gestern nachmittag, zu denen er dann Stellung nehmen konnte.


Vor der Bühne am Ballhausplatz

Er befürchtet ein allmähliches Angleichen an die Ehe und stellt einen moralischen Absolutheitsanspruch seiner Kirche, der ja die Mehrheit der ÖsterreicherInnen angehört. Wenn er hochrechnet, sind überhaupt nur 10% der Menschen keiner der monotheistischen (Männer-) Religionen zugehörig. "Die transzendente Dimension Gottes tut dem Land gut", sagt er, und das soll man auch mittels Kreuzen in Klassenzimmern sehen. Dass der Gerichtshof für Menschenrechte dies ablehnt, ist für ihn Totalitarismus, was scharfe Kritik der Evangelischen Kirche hervorruft, da es Gräben eher aufreisst als zwischen Menschen verbindet.

Vor dem Parlament am Ring

Keineswegs ist ja in irgendeiner Weise seitens des Staates bedroht, was Glaube den Menschen bedeutet - doch sie finden ihn selbst, was der Bedeutung von Religion als (persönliche) Rückbindung entspricht. Und dementsprechend sind auch viele, die Mitglieder der katholischen Kirche sind, entsetzt über die Aussagen Schönborns. Dass die Politik Angst hat, mit dem veränderten Bewusstsein der Menschen schrittzuhalten, machte der Schauspieler Uwe Kröger bei der Kundgebung klar, zu der er mit seinem Partner Christoph, einem Wiener Kardiologen gekommen ist. "Wien ist eine der liberalsten und tolerantesten Städte",  ist seine Erfahrung der letzten 14 Jahre.


Der Zug über den Heldenplatz

Niemals hat jemand auch nur ansatzweise etwas anderes als Toleranz und Akzeptanz gezeigt. Medien hätten zwar gerne irgendwelche Geschichten geschrieben, wie sie es bei sogenannten Promis halt tun, aber da es nichts gab und sich Uwe und Christoph eben wie ein ganz normales Paar verhielten, "wurde es ihnen bald fad". Österreich ist ein liberales und tolerantes Land, kann frau angesichts der neuesten Umfrage zum Thema Partnerschaft hinzufügen, denn nur 16% lehnen die Möglichkeit der Legalisierung homosexueller Beziehungen ab, die Mehrheit ist für eine Zeremonie am Standesamt. Da Österreich ein mehrheitlich katholisches Land ist, bildet dies ebenso die Meinung der Gläubigen ab wie die Umfrage, nach der die allermeisten Frauen Kampfbeten vor Ambulatorien ablehnen und meinen, es sei ihre Sache, über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden (natürlich im Widerspruch zu Herrn Schönborn).

Ja ich will (Rosenstolz und Hella von Sinnen)
"Ich will für uns das Hochzeitsfest, nicht erst morgen sondern jetzt..."

Manche wollen es aber anders sehen, denn das BZÖ folgt heute dem Aufruf des Kardinals, die Abstimmung über das Partnerschaftsgesetz im Parlament doch ohne Klubzwang durchzuführen: " 'Im BZÖ gilt, dass es sich bei ethnischen und religiösen Fragen um persönliche Gewissensentscheidungen handelt, die jeder für sich selbst festzulegen hat und (wo) man nicht an eine Parteivorgabe gebunden ist', erklärte heute BZÖ Generalsekretär Dr. Martin Strutz. Strutz empfiehlt auch den anderen Parteien, die Frage der Homo-Ehe als Gewissensfrage zu sehen, die Abstimmung ebenfalls freizugeben und den Klubzwang, der bei SPÖ und ÖVP herrscht und auch mit massiven Konsequenzen geahndet wird, aufzuheben." (auch die FPÖ ist gegen die Partnerschaft)


Am Ring, mit Touristen

Was ist religiös daran, dass Österreich endlich das realisiert, was von Dänemark 1989 ausgehend 20 Staaten umgesetzt haben? Selbst im sehr katholischen Spanien, wo die Regierung aber den Mut hat, siehe Abtreibungsfrage, den Konflikt mit der Kirche zu riskieren, können homosexuelle Paare heiraten und Kinder adoptieren. Müsste ich in einem Satz zusammenfassen, worum es bei dieser "ethischen" Frage geht, ist es ganz einfach: Kein Mensch sollte auch nur eine Sekunde nicht mit einem Menschen zusammensein dürfen, die / den  er / sie liebt, und kein Mensch sollte auch nur eine Sekunde länger mit einem Menschen zusammen sein müssen, die / den er / sie nicht liebt.


Die Ballons wurden dann zerstochen, damit es wie bei einem Feuerwerk knallt

Die Frage der Ethik kann nur sein, wie es Menschen mit ihrem Gewissen vereinbaren können, andere wegen ureigenster Menschenrechte zu diskriminieren. Was "dem Land gut tut", sind Menschen, die sich frei entfalten können, und dazu gehört auch das Allerselbstverständlichste, sich zu einem anderen Menschen bekennen zu können. Die Basis dessen ist Begehren, das dem ganzen Menschen gilt, und das zwischen Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau existieren kann. Es tut keinem Land gut, wenn Menschen ihre Gefühle, Ihr Sein unterdrücken müssen oder nur unter Kampf und Widerständen Bedingungen dafür schaffen können, ihre wahren Wünsche zu leben, oder vielfach nur einen kleinen Bereich einrichten können, in dem sie sie selbst sind, weil sie sonst ein ganz neues Leben beginnen müssten.


Am Heldenplatz vor der Hofburg

Das Beste für das Land sind Menschen, die das Göttliche in sich selbst und in anderen sehen können, die nicht aus Angst, "out" zu sein (outing und Außenseiter haben ja was miteinander zu tun), Königskinder sein müssen. Wir brauchen im Sinne der Kampagne Krönungswelle für das Bedingungslose Grundeinkommen zwar viele "gekrönte Häupter", aber es sollte keine durch den Fluss von unerbittlichen Rahmenbedingungen getrennten Königskinder mehr geben müssen. Bei einer Gleichstellung zwischen hetero- und homosexuellen Paaren wäre die Ehe im katholischen (unauflöslichen) Sinn tatsächlich aufgeweicht, doch da sie ja nicht mit Gott, sondern mit einem Menschen geschlossen wird, würde der Tatsache Rechnung getragen, dass sich die Beziehung zu einem Menschen auch verändern kann.


"Wir lassen uns nicht verstecken!" stand auf einer der verteilten Karten
- sollten "die da drinnen" beherzigen...

Es ist ja nicht Gott, der mit einem Menschen leben muss, den er nicht mehr liebt, oder mit dem man nur mehr befreundet sein will, etwa, weil man erkennt, dass man das eigene Geschlecht begehrt (Schönborn und andere haben nicht registriert, dass Homosexuelle bereits Kinder haben und auch das ein Menschenrecht ist). Männer, die Gott heiraten, sollten sich nicht in das Leben von Menschen einmischen, die Ihresgleichen zugetan sind, seien sie hetero- oder homosexuell. Wenn die Politk in einem säkulären Staat so sehr Rücksicht nimmt auf die herrschende Kirche, dann braucht sie sich über Medienkommentare nicht wundern, die sie kleingeistig, intolerant und feige nennen.


Die Menschen sammeln sich am Ballhausplatz

Natürlich wird das kritisierte Partnerschaftsgesetz etwa von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek als erster, aber lange nicht letzter Schritt verteidigt. Dies übrigens bei einer Festveranstaltung zum Jubiläum der HOSI, bei der sich SozialdemokratInnen zeigten. Vor dem Veranstaltungsort Parlament begann die Demo für rechtliche Gleichstellung, zu der die Grünen aufriefen, denen sich aber eine Unzahl an Gruppen, Vereinen, Geschäften, Personen angeschlossen haben. Immerhin möchte die SPÖ der ÖVP noch die Zeremonie am Standesamt abringen, was eigentlich schon von daher kein Problem sein sollte, als dass die Perspektivengruppe der ÖVP (Leiter war der heutige Vizekanzler Josef Pröll) auch dafür eingetreten ist und das eine der wenigen wirklichen inhaltlichen Neuerungen in der Ausrichtung der Partei war.


Diese UnterstützerInnen gaben kurze Statements ab
und verlasen Listen von vielen weiteren UnterstützerInnen

Realpolitisch ist die ÖVP für einen vom Magistrat ausgestellten Wisch, der mit der Anmeldung eines Hundes verglichen wurde (was die zahlreichen Hunde auf der Demo wohl bestätigen können). Die SPÖ setzt sich für Rechte light ein, was natürlich Diskriminierung fortschreibt, teilweise auch mit Verschlechterungen, wie auf der Webseite Erstklassige Rechte ausgeführt wird. Natürlich wird sich im Umgang der Politik mit dem Partnerschaftsgesetz auch eigene Erfahrung widerspiegeln, denn nach wie vor kann man in der Spitzenpolitik nicht homosexuell sein und muss oft auch Fassaden-Ehen aufrechterhalten. Ist es "andere sollen es auch nicht besser haben" oder "wir wissen nicht, was passiert, wenn Österreich auch festgeschrieben tolerant und offen ist"?! Wahrscheinlich werden die sich selbst auferlegten Einschränkungen damit gerechtfertigt, dass die Umstände es erfordern, denn wenn einer ausschert, riskiert er Machtverlust (ist das aber wirklich so? Oder erfährt er Solidarität und Sympathie, falls ihm jemand sein Menschenrecht auf Liebe abspricht?).


Das Transparent wird über den Ballhausplatz gelegt

Die Demo bestand auch aus einer riesigen Regenbogenfahne, die so über den gesamten Ballhausplatz gelegt wurde, dass sie wie in bunter Teppich aussah, der ins Bundeskanzleramt hineinführt. Die Symbolik des gerne fotografierten Motivs ist wohl vielfältig: zum einen soll die Bundesregierung das Menschenrecht auf Liebe anerkennen, zum anderen ist die Zeit der roten Teppiche vorbei, die Menschen über andere erheben. Der bunte Teppich steht für Diversity, für die Anerkennung der Einzigartigkeit jedes Menschen. Und er steht für das Volk, das nicht allein aus InteressensvertreterInnen, BeamtInnen und PolitikerInnen besteht. Für die Menschen, die die "Krise" schmerzhaft spüren und wissen, dass wir sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen Wandel brauchen - und die weniger denn je bereit sind, sich zu verbiegen und Seiten ihres Selbst zu unterdrücken, weil sie wissen, dass die Situation ohnehin ihre ganze Kraft, ihr ganzes Menschsein erfordert.


Einer der zahlreichen Hunde - ungarischer Hirtenhund?

Bei der Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt wurde unter anderem zum Zillertaler Hochzeitsmarsch  getanzt, es wurde Reis gestreut (die TeilnehmerInnen sollten Packungen mitbringen) und schliesslich wurden zu "Fuck You" von Lilly Allen ("your point of view is medivial" - für Schönborn und alle anderen, für die Sex eh nur Sünde ist)  Rosen beim Tor zur Regierung abgelegt. Nicht als Dank, sondern "für uns soll es rote Rosen regnen", meinte Moderatorin Birgit Meinhard-Schiebel. Zuvor konnten Menschen auf die Bühne kommen und der Regierung etwas sagen, ehe sie das Gesetz beschliesst. Auch ein Pianist der Wiener Standesämter nutzte die Gelegenheit, denn in den Ämtern wird schon heftig diskutiert, weil sich alle so freuen, wenn sie neue Paare trauen dürfen. Wenn sich neue Paare trauen dürfen?

Weitere Bilder siehe Album auf Facebook
Facebook-Gruppe "Alle verdienen das Standesamt"

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