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Gibt es einen Linz09-Fluch?

(2.8.2009) Zwei Projektmanagerinnen bei Linz09, der oberösterreichischen Stadt als Kulturhauptstadt Europas, sind in den letzten Wochen ums Leben gekommen. Was bei jungen Frauen natürlich tragisch, da unerwartet ist, für die Zeitung "Heute" jedoch Anlass ist von einem "Linz09-Fluch" ganz im Stil eines Horrorfilms zu sprechen. Es wird für die Angehörigen so schon schlimm genug sein, da ist sicher nicht notwendig, wenn Medien Assoziationen zur Öffnung von Pharaonengräbern oder zum Blair Witch Project wecken.

Genau genommen macht das aber nur "Heute" {"Linz09-Fluch: Schon zwei Tote") , was dann so klingt: "Ist das wirklich nur ein Zufall? Schon wieder wurde eine Linz09-Projektleiterin tot aufgefunden – Charlotte M. († 38) ist in Wien Opfer eines Verkehrsunfalls geworden. Sie dürfte auf dem Rad vom Auto gerammt worden sein. Zuvor war bereits Barbara P. († 32) nach tagelanger Vermisstensuche ertrunken aus einem See geborgen worden." Der Tod von Frau M. gibt der Wiener Polizei Rätsel auf, schreibt "Heute", denn es finden sich keine Zeugen, was aber bei Unfällen auch ohne "Fluch" der Fall sein kann. Wo sie vom Auto angefahren wurde, verrät die Zeitung nicht, aber es dürfte in einem Bereich bei der Kettenbrückengasse gewesen sein, wo RadfahrerInnen und FußgängerInnen nicht ubedingt darauf warten, dass sie grün haben bzw. wo sich RadlerInnen in den Verkehr an der Wienzeile einordnen.

Zuvor meldeten auch andere Medien im Mai das Verschwinden von Barbara P.:   "'Wir ermitteln in alle Richtungen, fahnden österreichweit nach Barbara P. und ihrem weißen Renault Espace – bislang jedoch ohne Erfolg', gab die Polizei Linz gestern Nachmittag bekannt. Seit neun Tagen scheint die 32-jährige Leiterin des Linz09-Projekts 'Subversiv-Messe' wie vom Erdboden verschluckt. Letzte Spur: Eine Pressekonferenz gemeinsam mit Intendant Martin Heller am vergangenen Dienstag. Um 14.40 Uhr hat die Künstlerin, die Mitglied der Gruppe 'Social Impact' ist, noch eine Mitarbeiterin zur Schlüsselübergabe getroffen, danach verliert sich jede Spur. Am Tag ihres Verschwindens hatte Barbara P. weder Pass noch Handy, sondern nur etwas Bargeld bei sich."

Ihr Umfeld dachte an eine Inszenierung, denn: "Immerhin beschäftigte sich die 32-Jährige im Rahmen der 'Subversiv-Messe' mit politischem und gesellschaftlichem Widerstand im weitesten Sinn." Die lange Dauer des sich nicht Meldens beunruhigte dann aber doch, wobei die Mutter hoffte, dass sich die Tochter einfach eine Auszeit genommen hat. Am 22. Mai schrieb "Österreich":  "Barbara P. ist tot. Die Kulturmanagerin war seit über zehn Tagen vermisst - nun wurde ihre Leiche in einem Stausee in Niederösterreich gefunden. Die Polizei schließt einen Mord aus.Die 32-Jährige war am Dienstag vergangener Woche unmittelbar nach einer Pressekonferenz in Linz verschwunden. Ihr Wagen, der nahe des Stausees abgestellt war, sei aber nie jemandem aufgefallen."

Außerdem: "Es gebe Hinweise auf einen Suizid. Eine Obduktion habe Ertrinken als Todesursache ergeben. Die Leiche sei jedenfalls nicht angeschwemmt worden, sondern die Frau offenbar im Stausee ertrunken. Der Wagen der Toten wurde nicht weit entfernt gefunden." Dass P: davon sprach, am liebsten weit weg fahren zu wollen und dass sie sich nach Berichten bei ihrer letzten Pressekonferenz wie abwesend verhielt, deutet auch darauf hin (es erinnert mich auch an einen ähnlichen "Fall", den ich vor vielen Jahren erlebte, aber das ist eine rein subjektive Anmerkung). "Heute" ignoriert dies und konstruiert aus der Tatsache, dass Charlotte M. offenkundig niedergefahren wurde, gleich einen "Fluch".

Aber warum sollte es diesen "Fluch" geben? Unregelmäßigkeiten bei Linz09, irgendetwas Gigantisches, das ein Kulturprojekt zu einer Vorlage für einen "Tatort"-Krimi macht? Das verrät uns "Heute" leider nicht, stattdessen wird wild herumspekuliert. Und falls niemand in der "Heute"-Redaktion in Wien mit dem Rad unterwegs ist: wäre Charlotte M. in der Nähe einer der anderen, wirklich sehr steilen Stiegen um den Naschmarkt gefunden worden, so wäre auch möglich gewesen, dass sie das Rad hintergetragen hat und dabei gestürzt ist. Sie lag aber bei der Falco-Stiege auf der Straße, die so flach ist, dass sie auch einen Radfahrbereich hat. Dort kann man / frau also kaum stürzen - bleibt also ein Zusammenstoß mit einem Auto.


Ich schreibe gerne auch für andere Medien, recherchiere und texte - zur Situation von Ceiberweiber und mir siehe "Solidarität für Ceiberweiber". Anregungen, Infos, Angebote, Veranstaltungsankündigungen udn Meldungen für die Ceiberweiberseite bitte per Mail an Alexandra Bader


 



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